19.06.2026 · Leitfaden zur Werkstückspannung

Was ist ein Schwenkfutter? Funktionsweise, Bauarten und CNC-Anwendungen

Ein Schwenkfutter spannt ein Werkstück und schwenkt es innerhalb des Futters in festgelegte Winkelstellungen. Das Werkstück bleibt dabei eingespannt. Auf CNC-Drehmaschinen wird diese Bauart unter anderem für Ventilgehäuse, T-Stücke, Rohrbögen, Kreuzstücke und andere Teile mit mehreren Bearbeitungsrichtungen eingesetzt.

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Ein Schwenkfutter hält das Werkstück in einer Aufspannung, schwenkt es um einen definierten Winkel und verriegelt die neue Stellung für den nächsten Bearbeitungsschritt. Das kann manuelles Umspannen reduzieren und die Lagebeziehung zwischen mehreren bearbeiteten Flächen oder Bohrungen besser erhalten.

Bei den hier beschriebenen KORRETTO-Anwendungen erfolgen Spannen und Schwenken hydraulisch. Je nach Bauart und Werkstück kommen beispielsweise 45° mit 8 Positionen oder 60° mit 6 Positionen infrage. Die Auswahl muss anhand von Zeichnung, Maschinenschnittstelle, Werkstückgewicht, Schnittrichtung und Bearbeitungsablauf geprüft werden.

Was ist ein Schwenkfutter?

Ein Schwenkfutter verbindet Werkstückspannung mit einer zusätzlichen Winkelpositionierung innerhalb des Futters. Während ein herkömmliches Drehfutter das Teil hauptsächlich spannt und hält, kann ein Schwenkfutter das eingespannte Werkstück für eine andere Bearbeitungsrichtung neu ausrichten.

Schwenkfutter für mehrere Bearbeitungsrichtungen auf einer CNC-Drehmaschine
Produktabbildung eines Schwenkfutters für die Bearbeitung aus mehreren Richtungen auf einer CNC-Drehmaschine.

So lassen sich mehrere Richtungen in einer Aufspannung bearbeiten. Der Ablauf kann beispielsweise lauten: spannen, bearbeiten, Schwenkverriegelung lösen, Werkstück schwenken, verriegeln, erneut bearbeiten und schließlich entladen. Während des Schwenkens bleibt die Werkstückspannung erhalten.

Typische Anwendungen sind:

Eine Übersicht finden Sie bei KORRETTO unter Schwenkfutter-Übersicht.

Wie funktioniert ein Schwenkfutter?

Spannen, hydraulisches Schwenken und mechanisches Verriegeln müssen aufeinander abgestimmt sein. Der genaue Ablauf hängt vom Modell ab.

Zuerst wird das Werkstück gespannt. Für eine neue Bearbeitungsrichtung löst das System die Schwenkverriegelung, schwenkt die Werkstückaufnahme in die nächste Stellung und verriegelt sie erneut. Erst nach bestätigter Stellung und Verriegelung darf die Bearbeitung weiterlaufen. Das Werkstück bleibt während dieses Ablaufs eingespannt.

Bei einem hydraulisch automatisierten Schwenkfutter werden üblicherweise zwei hydraulische Funktionen benötigt:

AufgabeAufgabeTypische Ansteuerung oder Überwachung
Werkstück spannen und lösenHält das Werkstück fest oder gibt es zum Entladen freiÜber Ventile gesteuerter Hydraulikdruck
SchwenkbewegungDreht die Werkstückaufnahme in die nächste WinkelstellungHydraulikkreis für die Schwenkbewegung
Mechanische VerriegelungHält die Winkelstellung während der ZerspanungVerriegelungsmechanismus und Zustandsabfrage
PositionssignalMeldet den Futterzustand an die MaschineMit der Maschinensteuerung verbundene Sensorik

Das Schwenkfutter bildet mit Hydraulikversorgung, Ölzuführung, Sensorik und Maschinenprogramm ein zusammenhängendes Spannsystem. Diese Komponenten müssen zusammenpassen.

Bestandteile eines hydraulischen Schwenkfuttersystems

Zum System können Schwenkfutter, vorderer Anschlussflansch, teleskopierbare Verbindungsleitung, hinterer Befestigungsflansch, Drehdurchführung, Hydraulikleitungen, Verriegelungsüberwachung und Hydraulikaggregat gehören.

Hydraulisches Schwenkfuttersystem mit Anschlussflansch, Drehdurchführung, Verbindungsleitung, Hydraulikleitungen und Aggregat
Mögliche Systemkomponenten: Futter, Anschlussflansche, teleskopierbare Verbindungsleitung, Drehdurchführung, Verriegelungsüberwachung, Hydraulikleitungen und Aggregat.

Komponenten und ihre Aufgaben

No.BauteilAufgabe
1SchwenkfutterSpannt das Werkstück und richtet es in verschiedenen Winkelstellungen aus.
2Vorderer AnschlussflanschVerbindet den Spindelanschluss mit dem Schwenkfutter.
3Teleskopierbare VerbindungsleitungVerbindet die Ölkanäle zwischen Futter und Drehdurchführung.
4Hinterer BefestigungsflanschBefestigt die Drehdurchführung am dafür vorgesehenen hinteren Maschinenanschluss.
5DrehdurchführungFührt Hydrauliköl zwischen stationären Leitungen und rotierendem System zu.
6VerriegelungsüberwachungErfasst bei der gezeigten Ausführung die Stellungen bei 45° und 90°.
7HydraulikleitungenVerbinden Drehdurchführung und Hydraulikaggregat.
8Optionales HydraulikaggregatLiefert den Druck zum Spannen und Schwenken.

Der vordere Flansch verbindet Futter und Spindelanschluss. Hinterer Flansch und Drehdurchführung sitzen am vorgesehenen Anschluss hinter der Spindel. Eine teleskopierbare Edelstahlleitung verbindet die Ölkanäle. Die Drehdurchführung ermöglicht die Ölversorgung bei rotierender Spindel; das Aggregat liefert den erforderlichen Druck.

In der Regel sind getrennte Hydraulikfunktionen für Werkstückspannung und Schwenken erforderlich. Magnetventile steuern die Bewegungen. Positions- und Verriegelungssignale werden in die Maschinensteuerung eingebunden, damit der Ablauf sicher freigegeben werden kann.

Bei Nachrüstungen kann eine Anpassung des SPS-Programms nötig sein. Zuständig sind je nach Projekt der Maschinenhersteller oder die Elektrofachkräfte des Betreibers, gegebenenfalls mit technischer Unterstützung des Spannmittellieferanten.

Die Produktdetails finden Sie bei KORRETTO unter Hydraulische automatische Schwenkfutter.

Übliche Schwenkwinkel

Beispiele sind 45° mit 8 Positionen und 60° mit 6 Positionen. Solche Teilungen kommen für Ventile, Fittings und andere Bauteile mit mehreren Anschlüssen infrage.

Der passende Winkel hängt ab von:

Wählen Sie die Teilung anhand von Werkstückzeichnung und Arbeitsplan. Ein Katalogwinkel allein reicht zur Auswahl nicht aus.

Einsatz von Schwenkfuttern auf CNC-Drehmaschinen

Ein wesentlicher Einsatzbereich ist die Ventilbearbeitung auf CNC-Drehmaschinen. Gegossene oder geschmiedete Ventilrohlinge haben oft mehrere Anschlüsse und unregelmäßige Außenformen. Jede erneute Aufspannung kann zusätzliche Lageabweichungen verursachen.

Mit einem Schwenkfutter bleibt das Werkstück eingespannt, während verschiedene Stirnflächen oder Anschlüsse bearbeitet werden. Das ist beispielsweise bei Ventilgehäusen, T-Stücken, Rohrbögen und Kreuzstücken hilfreich.

Ventile lassen sich beispielsweise auf Sondermaschinen mit mehreren Bearbeitungseinheiten oder in mehreren Aufspannungen auf einer Drehmaschine fertigen. Sondermaschinen können bei passenden Serien kurze Abläufe ermöglichen. Mehrere Drehmaschinenaufspannungen bieten Flexibilität, verursachen jedoch zusätzlichen Rüstaufwand und mögliche Lageabweichungen. Die erreichbare Qualität hängt jeweils vom gesamten Prozess ab.

Ein Schwenkfutter kann die Flexibilität der Drehbearbeitung mit weniger manuellem Umpositionieren verbinden. Besonders interessant ist das bei wiederkehrenden Teilefamilien mit bekannten Bearbeitungswinkeln.

Beispiele für Werkstücke mit mehreren Bearbeitungsrichtungen

Die folgenden Werkstücke zeigen typische Aufgaben, für die ein Schwenkfutter geprüft werden kann.

Weitere Anwendungsbeispiele finden Sie unter Schwenkfutter in der Ventilfertigung und Schwenkfutter für Werkstücke mit mehreren Bearbeitungsrichtungen.

Schwenkfutter und Rundtisch im Vergleich

Beide Systeme positionieren Werkstücke nach Winkel, sind jedoch für unterschiedliche Einbausituationen und Aufgaben ausgelegt.

GrößeSchwenkfutterRundtisch
EinbauortMeist an der Spindel einer CNC-DrehmaschineMeist auf dem Tisch einer Fräsmaschine oder eines Bearbeitungszentrums
HauptaufgabeWerkstück spannen und innerhalb des Futters schwenkenWerkstück oder Vorrichtung durch Drehen des Tisches positionieren
Typischer EinsatzVentilgehäuse, Fittings und Dreharbeiten mit mehreren BearbeitungsrichtungenFräsen, Bohren, Nuten und Winkelpositionierung
WerkstückaufnahmeDas Futter spannt das Werkstück über passende Backen oder AufnahmenBenötigt meist eine aufgesetzte Vorrichtung, einen Schraubstock oder ein Spannfutter
AuswahlkriterienFuttergröße, Spannkraft, Schwenkwinkel, Hydrauliksteuerung und SpindelanschlussTischgröße, Tragfähigkeit, Teilgenauigkeit und Vorrichtungsaufbau

Ein Rundtisch kommt vor allem für Fräs- und Bohraufgaben infrage. Ein Schwenkfutter passt zu Aufgaben, bei denen das Werkstück an der Drehmaschinenspindel gespannt und für mehrere Bearbeitungsrichtungen ausgerichtet werden soll.

Weiteres Werkzeugmaschinenzubehör finden Sie unter Teilapparate und Rundtische.

Geeignete Anwendungen und Grenzen

Ein Schwenkfutter kommt infrage, wenn die Werkstückgeometrie wiederkehrt, Winkelstellungen feststehen und ausreichend belastbare Spannflächen vorhanden sind. Es kann helfen, die Streuung durch wiederholtes manuelles Umspannen zu reduzieren.

Typische Aufgaben:

Bei Einzelteilen, stark schwankenden Gusskonturen oder zu hohem Werkstückgewicht kann eine andere Lösung besser passen. Auch fehlender Werkzeugfreiraum sowie ungeeignete Hydraulik, Sensorik oder Maschinensteuerung können den Einsatz ausschließen.

Sonderlösungen finden Sie unter speziellen Kraftspannfuttern und Was ist ein Kraftspannfutter?.

Modellbezogene Maße und Daten

Die technischen Daten der TK-Baureihe stehen in der englischen Dokumentation zur Verfügung. TK-Dokumentation auf Englisch

Welche Angaben werden zur Prüfung benötigt?

Ein Schwenkfutter muss als vollständiges Spannsystem geprüft werden. Die Modellbezeichnung allein reicht nicht aus.

Bitte stellen Sie nach Möglichkeit folgende Angaben bereit:

Bei großen Ausführungen sind Futter- und Werkstückgewicht, Spindelbelastbarkeit, Hydraulikversorgung und Verriegelung besonders sorgfältig zu prüfen. KORRETTO kann die Eignung anhand der konkreten Werkstück- und Maschinendaten bewerten.

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Häufige Fragen

Was ist ein Schwenkfutter?

Ein Schwenkfutter spannt ein Werkstück und richtet es in festgelegten Winkelstellungen aus. So lassen sich mehrere Richtungen bearbeiten, ohne das Teil für jeden Schritt zu entnehmen und erneut einzuspannen.

Wie funktioniert ein Schwenkfutter?

Das Werkstück wird gespannt. Anschließend wird bei Bedarf die Schwenkverriegelung gelöst, die Aufnahme in die nächste Stellung geschwenkt und erneut verriegelt. Erst nach bestätigter Stellung und Verriegelung wird die Bearbeitung freigegeben. Die Werkstückspannung bleibt beim Schwenken erhalten; der genaue Ablauf ist modellabhängig.

Welche Schwenkwinkel sind üblich?

Beispiele sind 45° mit 8 Positionen und 60° mit 6 Positionen. Entscheidend sind Werkstückzeichnung, Anschlussrichtungen, Bearbeitungsfolge und Futterbauart.

Werden Schwenkfutter hauptsächlich auf CNC-Drehmaschinen eingesetzt?

Die hier beschriebenen KORRETTO-Anwendungen sind vor allem für die Werkstückaufnahme an der CNC-Drehmaschinenspindel vorgesehen, insbesondere für Ventile und Fittings. Andere Schwenkspannsysteme können auch auf Bearbeitungszentren eingesetzt werden.

Worin unterscheidet sich ein Schwenkfutter von einem Rundtisch?

Ein Schwenkfutter sitzt typischerweise an der Drehmaschinenspindel und spannt das Werkstück unmittelbar über seine Aufnahme. Ein Rundtisch sitzt meist auf dem Maschinentisch und trägt eine zusätzliche Spannvorrichtung. Die Einbausituationen und Bearbeitungsaufgaben unterscheiden sich.

Welche Angaben braucht man für eine Schwenkfutteranwendung?

Benötigt werden in der Regel Werkstückzeichnung, Werkstoff, Gewicht, Bearbeitungsfolge, Schwenkwinkel, Maschinenmodell, Spindelanschluss, Hydraulikversorgung, Anforderungen an Positionssignale und geplante Stückzahl.

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